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Wings for Life World Run 2015 - Verona

Alles hat letztes Jahr begonnen. Nach den ersten 8 Monaten Lauftraining war ich der Meinung, dass ich bereit bin, an einem Laufevent teilzunehmen. Der Klassiker wäre ein Halbmarathon oder ein 10.000 Meter Lauf. Das ist natürlich nicht mein Ding, ich kann mit dieser Art von Bewerben nichts anfangen. In Wahrheit bin ich überhaupt kein Wettbewerbstyp, wenn ich mich messen will, dann am liebsten mit mir selbst. Das mag ich wie verrückt, ich tracke jedes Training, schaue oft monateweit zurück, wie lang ich wann, welche Strecke gelaufen bin oder wie lang ich bei dieser oder jener Skitour unterwegs war.


Der Wings for Life World Run ist nicht der klassische Laufwettbewerb. Kurz erklärt: Eine halbe Stunde nach den Läufern startet das "Catcher Car", es erhöht von Zeit zu Zeit die Geschwindigkeit und wenn man überholt wird, ist das Rennen für einen vorbei. Man könnte auch sagen, umso schneller du läufst, umso weiter darfst du laufen!

Mein Ziel, 30 Kilometer

Mein Ziel war es, dem Catcher Car 30 Kilometer zu trotzen - damit bleiben für jeden gelaufenen Kilometer gerade 4:52 Minuten.


2014 war dieses Ziel etwas hoch, zumal das Wetter an diesem Tag eher zu einem Strandbesuch verlockte. Nach gerade einmal 23,3km war dann auch Schluss und ich will ehrlich sein, selbst wenn die Temperatur kühler gewesen wäre, hätte ich mein Ziel nicht erreicht. Und selbst wenn ich es konditionell geschafft hätte, wäre ich im Kopf nicht soweit gewesen.


Noch im Shuttle Bus zurück zum Startgelände habe ich beschlossen wieder zu kommen. Ich habe mir geschworen dafür

noch härter zu trainieren um es das Jahr darauf zu schaffen.


Dabei ist es gar nicht so leicht rund um das ganze Jahr zu trainieren, vor allem wenn laufen nicht dein einziges Hobby ist. Ich gehe für mein Leben gerne Kitesurfen oder auf einen Berg. Ab und zu reizt mich ein Klettersteig und dann gibt es auch noch die alltäglichen Dinge, die zu erledigen sind. Naja, da wird es tatsächlich knapp, wenn man 5 Mal pro Woche trainieren will.


Natürlich gibt es immer Ausreden warum es leichter wäre nicht zu trainineren. Dieses Mal aber nicht. Zum Beispiel im Sommer, wenn die Sonne auch nach dem Feierabend das Blut beim Laufen zum Kochen bringt. Ab und zu habe ich aus Trainingsgründen einen Berg 2 Mal hintereinander bezwungen. Manchmal bin ich vor der Arbeit laufen gegangen und im Spätsommer habe ich mit Berglauf begonnen um Steigungen zu trainieren. Selbst auf unseren Wochenend-Ausflügen nach Italien waren immer die Laufsachen dabei. Manchmal bin ich vor dem Kitesurfen gelaufen, ab und zu danach und ganz selten anstatt.

Laufen wenn es kalt und dunkel ist

Wenn dann der Herbst ins Land zieht, freut man sich als Läufer, dass die Temperaturen runter gehen. Doch mit den niedrigeren Temperaturen wird auch das Licht weniger, dann heißt es im Dunklen laufen. Also die Batterien an der Stirnlampe geprüft und ab auf die Piste.


Läufe alleine im Dunkeln sind keine Freude, da musst du schon wirklich wollen, ansonsten lässt du es sein. Im Dezember macht dann auch Berg gehen keinen Spass und meist gibt es auch noch keinen Schnee für Skitouren, also kein Alternativ-Training.


Ende Dezember stand dann der Kuba Trip auf dem Programm, Laufzeug natürlich eingepackt. Allerdings sind die Temperaturen wieder sehr hoch

und Laufen war für mich nur morgens um 6:30 Uhr möglich. Immerhin habe ich 4 Trainings pro Woche geschafft, allerdings meist nur eine Stunde.


Zurück aus dem warmen Kuba gab es reichlich Schnee und somit wieder eine Chance auf Alternativ-Training in Form von Skitouren. Meine 5 Uhr Trainings-Routine war wieder gesichert. Im Februar, als die Temperaturen wieder stiegen, wurde mit dem Projekt VW Bus Camping-Umbau begonnen. Ich freute mich darauf und habe bereits den ganzen Winter recherchiert und geplant, nun konnte ich endlich loslegen und wollte dann Anfang April damit fertig sein.


Aus der Traum

Ich hatte nicht damit gerechnet, wie sehr mich dieses Projekt in Beschlag nahm. Meine Trainings wurden weniger und vor allem die langen Läufe und die Intervalltrainings fielen komplett aus. Anfang März habe ich dann auch noch bei einem Training übertrieben und habe mir einen Muskel gezerrt, das kostete weitere 2 Wochen Pause. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit meinem Traum abgeschlossen, das Ding war durch für dieses Jahr.


Natürlich habe ich weiter trainiert, auch wenn mir mein Ziel unendlich weit entfernt schien. Es fehlten die langen Läufe, ich bin seit Monaten nicht weiter als 20km gelaufen. Die letzen Wochen vor dem Bewerb war ich mir sicher, dass ich die 25 km schaffen könnte, also eine Steigerung zum Jahr zuvor. Aber eben niemals 30km. Mein Speed passte zwar, aber mein Puls war zu hoch und die Kilometer fehlten.

Die letzten Vorbereitungen

Das lange Wochenende vor dem Event verbrachten wir am Gardasee zum Chillen und Kitesurfen, Pizza essen und um die letzten Trainingseinheiten zu absolvieren. Ich beobachtete das Wetter für Sonntag und wurde immer zuversichtlicher, dass es keine zu hohen Temperaturen geben würde. Ich fühlte mich wieder fit - die vorletzte Trainingseinheit gab mir wieder mein Selbstvertrauen zurück, mein Puls war zwar noch immer ein wenig zu hoch, aber einen Versuch war es wert. In der Nacht habe ich noch ausgerechnet bei welcher Zeit ich welchem Kilometer erreicht haben muss. Um es einfach zu gestalten, habe ich etwas abgerundet und nur alle 5 Kilometer ausgerechnet. Es klang plötzlich irgendwie möglich.


Am Abend davor noch die Kohlenhydrate-Speicher mit Pizza aufgefüllt und dann früh ins Bett.


Mein erster Blick am Wettkampf-Morgen fiel auf mein Telefon, der Countdown, der seit 105 Tagen lief war bei 5:23 Stunden. Langsam wurde ich ein wenig nervös, habe ich genug trainiert, habe ich an alles gedacht. Ich habe noch nicht darüber nachgedacht, bei welchen Labestationen ich was zu mir nehmen werde. Ist das überhaupt wichtig? Soll man das nicht vielleicht spontan entscheiden, nein, ich bin nicht derart spontan. Also muss ein Plan her! Am Vormittag vor dem Rennen, nein, leider keine Zeit mehr und überhaupt habe ich sowieso weder Erfahrung noch Ahnung von solchen Dingen. Das Wetter war gut, bewölkt und nicht zu heiß, womöglich könnte es ein paar Tropfen regnen, aber das macht mir nichts aus. Gute Vorraussetzungen!


Also leichtes Frühstück, kein Kaffee, genug trinken aber nicht zuviel, rechtzeitig die Startnummer abholen, umziehen und sich aufwärmen. 8 Minuten warmlaufen mussten reichen, den Muskeln Bescheid geben, jetzt ist es bald soweit. Ich versuchte mich zu konzentrieren, doch worauf?

Die Startblock Einteilung

Als ich die Startblock Einteilung sehe, erkenne ich ein weiteres Versäumnis. Letzter Startblock, das macht vieles schwieriger. Die Paceläufer starten alle in den vorderen Startblöcken, damit die schnelleren Läufer nicht von den langsameren Läufern behindert werden. Und ich muss mich da zuerst durchkämpfen, bevor ich überhaupt Kilometer machen kann.


Die Stimmung vor dem Start ist absolut bombastisch, als dann der Countdown kommt und die Konfetti Kanonen alles geben, geht es los. Ich überhole sofort und versuche so schnell wie möglich voran zu kommen, es ist schwierig, es sind so viele. Insgesamt liefen in Verona 2490 Sportler und ziemlich viele befinden sich vor mir.


Die ersten 5 Kilometer geht es durch die Stadt, in den engen Strassen ist es nicht besonders leicht voranzukommen. Bei Kilometer 5 kurz die Zeit geprüft, fantastisch, ich sehe mich nach den Pacemakern um und erkenne vor mir den 15km Pacer. Das wird noch harte Arbeit. Zwar war der 15km Pacer schnell eingeholt, doch der 30km Pacer ist es, auf den ich Jagd mache. Aus der Stadt raus, nun ist endlich genug Platz zum Überholen, doch nur nicht zu viel Speed machen, sonst verlierst du hinten raus, denke ich.

Kilometer 10, 15, 20

Bei Kilometer 10 bin ich guter Dinge, die Beine fühlen sich noch immer frisch an wie zu Beginn. Ich war 3 Minuten vor meiner Zeit, doch der 30km Pacer noch weit vor mir. Bei Kilometer 10 habe ich auch beim Wasser zugegriffen, ein paar Schlucke getrunken und den Rest über die Arme gegossen, nur nicht stehen bleiben und keine Zeit verlieren, war das Motto. Ab Kilometer 15 ging die Motivation langsam flöten, bei Kilometer 20 war sie vollends weg. 

Immer wieder spannend, was man auf einem langen Lauf für Gefühle durchlebt. Wenn man eine Zeitlang läuft, kennt man diese Gefühlszustände. Das einzige, das mir in dieser Phase vorwärts hilft ist, in meine Beine reinzufühlen, denn meist ist es nicht der Körper, sondern der Kopf, der nicht mehr weiterlaufen will. Man beginnt alle möglichen Sachen zu visualisieren um sich zu motivieren und weiter zu laufen. Ich fange dann an, alle möglichen Dinge auszurechnen, Pace, Km, Km/h.

Weitere 10 Kilometer sind noch zu laufen, bei meiner angepeilten Pace von 4:50 sind das ca. 48 min. Gar nicht mehr so viel, doch wenn man schon fast 2 Stunden bei diesem Tempo unterwegs ist, dann kommt einen das noch ziemlich lange vor.

Kilometer 25

Ab Kilometer 25 macht sich das gelaufene Tempo dann auch in meinem ganzen Körper bemerkbar, mir fehlten eben in der Vorbereitung die langen Läufe. Die Füße beginnen dann etwas schwerer zu werden und der Kopf ist nicht mehr ganz so stark. Manche Sportler bleiben einfach stehen, andere gehen zwischendurch. Die Verlockung ist riesig, es ihnen gleich zu tun. Nein, nicht heute, heute wird gekämpft, heute wird durchgehalten, wofür hättest du sonst trainiert, sagte ich mir. 

Dein Ziel ist in Reichweite. Bei Kilometer 27 überholt mich ein Radfahrer und sagt "Dieci minuti"- 10 Minuten bis zum Catcher Car. Verdammt, 10 Minuten passt laut meiner Zeitnehmung gar nicht. Italienische Minuten oder offizielle? Weiterlaufen und es darauf ankommen lassen. Und wenn es tatsächlich stimmt, will ich auf jeden Fall die 29km erreichen. In der Vorbereitung habe ich mir natürlich die Streckenführung angesehen und erkannt, dass die letzten 2 km vor der 30 Kilometer Marke bergauf gehen. Km 28, meine Beine sind jetzt schon richtig schwer.

Viele Läufer wechseln ins Schritt-Tempo und beginnen zu gehen. Meine Bergläufe machen sich bemerkbar, ich kann nach wie vor laufen, es macht schon fast Spaß, wenn ich nicht schon 2:17 Stunden unterwegs gewesen wäre. Und schon lasse ich das 29km Schild hinter mir, verdammt, ab und zu höre ich Fahrzeuge, ich drehe mich um, sehe kein Catcher Car, also weiter. Jetzt kommt aber erst die richtige Steigung, ich werde langsamer, denke immer wieder in wenigen Minuten ist es vorbei. Lauf für die, die nicht mehr können!

Die letzen Kilometer

Ich laufe weiter, nicht besonders schnell, aber stehen bleiben oder gehen ist keine Option. Aus dem vergangenen Jahr wusste ich auch noch wo die Labestation war und eigentlich musste dort dann auch Kilometer 30 sein. Ich sehe die Station und tatsächlich kurz vorher befindet sich rechts am Straßenrand die 30km Marke.

Es ist nicht mehr weit, dann hast du es geschafft, denke ich. Plötzlich hinter mir Lärm, ich höre Lautsprecher und Fahrzeuge, ich drehe mich um, es ist das Catcher Car. Noch 200m dann hab ich mein Ziel erreicht und hier soll mich das Catcher Car einholen? Ein Läufer sprintet an mir wie wild vorbei, ich denke noch, wo nimmt der die Kraft her. Im nächsten Moment sehe ich mich selbst so lossprinten, wie ich es in meinen Intervalltrainings immer wieder gemacht habe, ich drehe mich um und merke ich kann es schaffen. Keine Ahnung wie hoch mein Puls war, ich hab nichts mehr gespürt, ich muss es schaffen, für mich, nur für mich. Ich muss niemandem etwas beweisen, nur mir selbst.

Als ich am 30km Schild vorbei laufe, reisse ich die Hände in die Höhe, es ist meine persönliche Ziellinie, die ich überschreite. Die Menschen an der Labstation rufen "trenta kilometri", mir schießen die Tränen in die Augen, ich kann es kaum glauben. Ich habe es geschafft. Ein unglaubliches Gefühl!

Das Catcher Car überholte mich bei 30,07km, das habe ich gar nicht mehr so richtig wahr genommen. Für mich zählte in diesem Moment nur, dass ich mein Ziel erreicht habe. Dieses Rennen hatte ich im Kopf gewonnen, ich hatte bei weitem keine ideale Vorbereitung. Aber an diesem Tage wollte ich laufen, ich wollte meine Zeit laufen.


An diesem Tag hat sich für mich bestätigt, dass man alles schaffen kann, man muss nur daran arbeiten und es ganz fest wollen!

Wie geht es euch mit Zielen, die unnahbar scheinen? Habt ihr schon ähnliches erlebt?

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